Waltenschwil

427 m über Meer
Gemeindebann 454 ha
davon Wald 85 ha
Einwohner 2556

Aus der Geschichte

Die Landschaftsformen von Waltenschwil und Büelisacker, einer vom Abhang des Lindenberges zum Wagenrain reichenden Bünztalgemeinschaft, stammen im wesentlichen aus der letzten Eiszeit. Bis heute hat sich das markante „Buneggli“ als Relikt eines ehemals geschlossenen Moränenzuges erhalten, der bei Waltenschwil das Bünztal querte und einen zungenförmigen See aufstaute, welcher erst nach Jahrtausenden im Flachmoortorf langsam verlandete. Aus der urkundenlosen Zeit sind geheimnisvolle keltische Besiedlungsspuren beim „Heuelweiher“ festgestellt worden. Der „Kesslerstein“ im Tierpark und der „Helgeichhau“ künden von uralten Opfern unbekannter Bewohner. Der heutige Dorfteil Büelisacker war von ca. 70 bis 330 n. Chr. von römischen Gutsbesitzern besiedelt.
„Waltoswîlari“ wie der älteste Name erschlossen werden kann, muss im 7. / 8. Jahrhundert von einer alemannischen Sippe als dauernde Wohnstätte und zur Kultivierung des Bodens erwählt worden sein. Die Herren von Waltenschwil, ein Dienstmannengeschlecht der Habsburger, beauftragt mit der Sicherung der Querverbindung durch das Bünztal zur leicht erhöhten Tal-Längsverbindung am Lindenberg, haben ihren Stammsitz wohl kurz nach 1000 an bis heute unbekannter Stelle errichtet. Sie starben noch vor der Gründung der Eidgenossenschaft aus.
Der frühmittelalterliche Turm, der Herrenhof und die Fischereirechte in der Bünz gingen darauf an die Herren von Seengen, 1471 an den Abt und Konvent des Benediktinerklosters Muri über. Schon 1085 (erste schriftliche Erwähnung des Dorfes) tauschte das Kloster Waltenschwilerbesitz. Ende 10. Jahrhundert belegten die Habsburger die Gemeinde Waltenschwil mit dem starken Gewicht ihrer Autorität als Gerichts- und Zehntherren. Die Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen brachte neue Herrschaftsverhältnisse und Zehntverpflichtungen.
Waltenschwil war bereits im 11. Jahrhundert Teil der historisch bedeutsamen Grosspfarrei St. Pankraz in Boswil. Zur Reformationszeit endlich bewilligte das Kloster Muri den Bau der St. Niklauskapelle (altes Schulhaus) verbot aber ausdrücklich die Errichtung einer eigenen Pfarrei und die Bestattung der Toten im Dorf. Es bedurfte der Gunst der Stunde in der Helvetik, bis die Waltenschwiler sich 1800 kirchlich verselbständigen konnten.
Nach den Plänen des Boswilers Johann Keusch, eines Meisters der Barocktradition, errichtete die Gemeinde ausserhalb des alten Dorfkerns, am Südufer der Bünz, von 1837 - 39 eine neue Pfarrkirche, deren glockenförmiger Chor und Frontturm mit neugotischem Spitzhelm kunstgeschichtliche Erwähnung verdienen.
Von der Frömmigkeit der Vorfahren zeugten im übrigen verschiedene Kapellen. Die älteste, die Angelsachsenkapelle, stand am uralten Hohlweg nach Büttikon beim Brünnlein, das bereits den Römern als heilkräftig bekannt war.
An der Strassengabelung in Büelisacker, in unmittelbarer Nähe der altehrwürdigen Taverne, welche dem Handel und Wandel, aber auch dem Pilger diente, war eine bis 1860 nachweisbare Marienkapelle errichtet worden und eine dritte Kapelle stand am Wegkreuz, wo der alte Kirchweg, der das sumpfige Moos mied, nach Boswil abzweigte.
Der kirchliche Zusammenschluss von Büelisacker und Waltenschwil erfolgte am 15. Januar 1801. Der politische Zusammenschluss war schon vorher nach dem Willen der helvetischen Einheitsbestrebungen „von oben“ befohlen worden. Büelisacker leistete sich im Jahre 1825 einen Steuerstreik und zwar wegen einem Steuerbetrag von Fr. 878.--. Die Regierung von Aarau stellte fest, dass das Recht auf Waltenschwiler Seite sei und bewilligte die Eintreibung auf dem Wege der „Exekution“. Der Oberamtmann erteilte dem Landjäger den Befehl, sich so lange auf Kosten der „Ortsbewohnerschaft“ von Büelisacker im Wirtshaus aufzuhalten, bis der Betrag bezahlt sei. Zudem müsse Büelisacker für den Lohn des Landjägers von 15 Batzen pro Tag aufkommen.

Wie lange es ging, bis Waltenschwil und Büelisacker sich als Dorfgemeinschaft vertragen haben, geht aus der Geschichte nicht hervor.


Waltenschwil heute...

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die wachsende Industriealisierung der Nachbargemeinde Wohlen und der nahegelegenen Stadt Zürich brachte eine radikale Veränderung des Bevölkerungsprofils. Waltenschwil entwickelte sich von der ärmlichen Bauerngemeinde um die Jahrhundertwende zur mittelständischen Wohngemeinde. Bevölkerungsmässig war zwar erst ab 1960 ein Zuwachs zu verzeichnen.

1900 586 Einwohner
1910 649 Einwohner
1920 611 Einwohner
1930 740 Einwohner
1940 693 Einwohner
1950 683 Einwohner
1960 677 Einwohner
1970 1104 Einwohner
1980 1202 Einwohner
1990 1700 Einwohner
1996 1920 Einwohner
1997 1990 Einwohner
1998 2020 Einwohner
1999 2034 Einwohner
2000 2045 Einwohner
2001 2135 Einwohner
2002 2179 Einwohner
2003 2183 Einwohner
2004 2208 Einwohner
2005 2225 Einwohner
2006 2212 Einwohner
2007 2275 Einwohner
2008 2383 Einwohner
2009 2436 Einwohner
2010 2524 Einwohner
2011 2556 Einwohner

Die Integration der Neuzuzüger darf als sehr gut bezeichnet werden. Die vielen aktiven Dorfvereine tragen wesentlich dazu bei, dass neue Einwohner schnell Kontakte und auf diesem Weg auch Aufnahme in die Dorfgemeinschaft finden.
Damit überhaupt in Waltenschwil eine gesunde bauliche Entwicklung möglich war, mussten verschiedene Planungsgrundlagen erst geschaffen und Infrastrukturprobleme gelöst werden. So wurde die erste Bauordnung im Jahre 1966, der erste Zonenplan mit Zonenordnung im Jahre 1968 und die Güterregulierung im Jahre 1970 beschlossen. Der gesamte Ver- und Entsorgungsbereich ist gelöst. Sämtliche Hauptkanalisationen sind erstellt und die Abwässer werden der regionalen Abwasserreinigungsanlage Wohlen-Villmergen-Waltenschwil zugeführt. Die Wasserversorgung ist einerseits durch das Grundwasserpumpwerk „Hagäcker“ und andererseits durch das Pumpwerk „Hintere Mulde“, welches gemeinsam mit der Stadt Bremgarten betrieben wird, gesichert. Ueber das Leitungsnetz der Gemeinde Waltenschwil wird auch der Löschschutz der Gemeinden Kallern, Boswil, Bünzen und Besenbüren sichergestellt. Auch an Strassen wurde in den letzten Jahren viel gebaut. Die Dorfstrasse wurde bereits ausgebaut und ist beidseitig mit einem Trottoir versehen. Damit wurde auch dem langjährigen Postulat um mehr Sicherheit für den Fussgänger Rechnung getragen. Ebenfalls für mehr Sicherheit im Strassenverkehr bürgt der vor einigen Jahren erstellte Geh- und Radweg nach Wohlen. Der Gehweg Büelisacker-Wohlen wurde im Jahre 2003 realisiert. Vor einigen Jahren konnten die SBB-Ueberführung, die Ueberführung über die Kantonsstrasse Wohlen - Muri, sowie die Westumfahrung des Dorfes für den Verkehr freigegeben werden.
Die Gemeinde hat aber auch an die ältern Menschen gedacht und sich bereits vor Jahren am Solino - Wohnen im Alter in Boswil beteiligt. Der Schule steht ein Kindergarten mit 3 Abteilungen und das Schulhaus Bannegg zur Verfügung. Das Bannegg-Schulhaus wurde vor einigen Jahren erweitert, wodurch der Schulraum für die nächsten Jahre gesichert ist. Im August 2002 konnte eine modernst eingerichtete neue Turnhalle bezogen werden. Zur Zeit besuchen rund 240 Schüler die Schule von Waltenschwil. Gegen 130 Schüler besuchen die Bezirks-, Sekundar- und Realschulen von Wohlen.
Von der erwerbstätigen Bevölkerung müssen über 80 % auswärts ihrem Verdienst nachgehen. Das Angebot an Arbeitsplätzen ist äusserst gering. Mit der Erschliessung des Gewerbegebietes Juchäcker vor einigen Jahren wurde ein bescheidener Anfang gemacht, die Arbeitsplatzsituation zu verbessern.

Nur Dank der fortschrittlichen Haltung der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger konnten in den vergangenen Jahrzehnten die kommunalen Aufgaben bewältigt werden. Mit dem relativ tiefen Steuerfuss von 102 % verfügt die Gemeinde Waltenschwil über den günstigsten Steuerfuss im Bezirk Muri. Nicht zuletzt auch mit ein Grund, weshalb der Zürcher Tages Anzeiger in einem Rating die Gemeinde Waltenschwil als attraktivste Wohngemeinde im Bezirk Muri bezeichnet hat (Tages Anzeiger vom 23.12.2005).

Waltenschwil - nördlichste Gemeinde im Bezirk Muri - eine schöne Wohngemeinde. Zwar kein Bauerndorf mehr, aber ein Dorf, in dem man sich grösstenteils noch kennt und „grüezi“ zueinander sagt - ein Dorf, das trotz intensiver Entwicklung eben ein Dorf geblieben ist.


Gemeinde Waltenschwil